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Multimedia-Ratgeber: Webdesign | |||
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Spezial: Webdesign, Teil 2 h
Lehrinstitute für Aus- und Weiterbildung wurden beauftragt, ihr Angebot um diesen neuen Lehrgang zu ergänzen und eine professionelle Qualifizierung der Teilnehmer sicherzustellen. Dafür stellten Staat und Wirtschaft Förderungsmittel zur Verfügung, von denen Absolventen allgemein- bildender Schulen profitierten, die nun eine neue Berufsausbildung durchlaufen konnten, sowie all die- jenigen, die aus den Design-Fachbereichen und aus anderen kreativ-werblichen Berufen stammten und sich für eine Umschulung zum Webdesigner entschieden. Ab 1998 gab es die ersten offiziellen Webdesigner, die nach ihrer Ausbildung schnell von der Wirtschaft vereinnahmt wurden. Insbesondere die auf qualifi- zierte Kräfte angewiesene Werbebranche versuchte alles, um die fähigsten Kreativen für sich zu ge- winnen. Die Rekrutierer versprachen sogar feste Anstellungen bzw. freiberufliche Engagements für alle, die die Qualifizierung erst noch vor sich hatten. Viele Webdesigner arbeiteten nun in Teams an Web- Projekten der Werbeabteilungen großer Unternehmen, Werbeagenturen, Medien- und Marketingfirmen. Aufgrund der immer stärkeren Nachfrage empfanden es einige Webdesigner lukrativer, selbst auf Kundenfang zu gehen. Wo die Termin- und Leistungs-Anforderungen die persönlichen Möglichkeiten zu übersteigen drohten, schlossen sich die Webdesigner zusammen und gründeten oft mit Unterstützung von Staat und Wirtschaftsverbänden ihre eigenen Firmen für webbasierte Dienstleistungen. Die Produktionsstätten von selbständigen Webdesigner- Teams waren und sind häufig bislang ungenutzte Wohn- und Abstellräume wie Dachböden, Keller oder Garagen, weswegen diese auch "Garagenfirmen" genannt werden. Doch diese Bezeichnung paßt nicht in das Weltbild einer auf trendy-lifestyle ausgerichteten und sich kosmopolitisch gebenden Werbebranche, denn die massenhafte Nutzbarmachung des Internet bringt nicht nur neue Berufsfelder hervor, sondern auch einen neuen Zeitgeist. Darum heißen diese neugegründeten Firmen jetzt "Start-ups" und deren Unternehmer "Entrepreneurs". Der neue Geist gründet sich auf die organisierte Zusammenfassung und Förderung des Web-Wissens und auf die Erkenntnis der Webkunden, dass das Internet nicht nur eine andere Form der Selbst- darstellung ermöglicht, sondern auch kommerziell genutzt werden kann. Dies gewinnt im Zuge des Wettbewerbs um Kunden und Marktanteile immer größere Bedeutung und so erhöht sich die Erwartungshaltung an die Website. Effizienz wird jetzt zum Hauptkriterium einer Internet-Päsenz bei den Entscheidungsträgern der Wirtschaft. Strategien zum Online-Marketing und zur Verein- fachung von Betriebsstrukturen sind gefragt. Hierarchien sollen abgeflacht und Produktions- und Vertriebswege verkürzt werden. Die Devise lautet: "Das Internet muß Geld einbringen!" Die Informationstechnologie (IT) ist das Instrument hierzu und die Grundlage für den elektronischen Handel, der als "e-Commerce" oder "e-Business" eine verheißungsvolle Zukunft verspricht. So kommen zu den Teams der "Start-ups" je nach Auftragslage, Größe und Geschäftsziel neben Webdesigner auch Webprogrammierer, Webmaster, Webadministratoren, Werbefachleute, Fach- informatiker, System- und Anwendungsentwickler, Netzwerkadministratoren und EDV-Ingenieure, um Lösungen zu erarbeiten für die neu zu gestaltende Wirtschaft, die einen zeitgeistigen Namen bekommt: "New Economy". Im Gegensatz zur sogenannten "Old Economy" versteht sich die "New Economy" als Wirtschaft der digitalen Dienstleistungen. Alles wird in Bites und Bytes zerlegt und als Information verwaltet, verarbeitet und vermarktet. Geschäftsgegenstand sind die Erarbeitung von Konzepten und deren informationstechnologische Umsetzung zur Schaffung virtueller Lebens,- Arbeits- und Erlebnisräume, die die physischen Grenzen der Kommunikation und des Handels überwinden sollen. Die "New Economy" lebt von der Vision des gläsernen Menschen, mit dessen Hilfe sich Wirtschaftsinteressen leichter durchsetzen lassen. Dazu muß der NeueMedien-Bürger zum Hinterlassen von Datenspuren gebracht werden, die datentechnisch genau erfasst, durch Netzwerktechnik miteinander verknüpft und marketing-strategisch zu Profilen angelegt und ausgewertet werden können. Dadurch wird der Konsument durchschaubarer, berechenbarer und in seinem Verhalten steuerbar. Auf diese Weise wird es möglich -so das Versprechen der "New Economy"- alte verlorengegangene Markt- anteile zurückzuholen und neue dazuzugewinnen. Durch diese Vision wird die Hoffnung auf einen phenomenalen Konjunkturaufschwung genährt und Anleger dazu gebracht, große Vermögen in das Heilsversprechen der "New Economy" zu investieren. Banken und Versicherungen fördern Garagenfirmen und Freiberufler-Teams und lassen Firmenzusammenschlüsse und Start-ups entstehen, die wegen großen Finanzbedarfs von fremden Geldern leben müssen und sich daher als Aktiengesellschaften an der Börse präsentieren. Getragen vom Glauben an eine verheißungsvolle Zukunft in Wohlstand, werden Aktien ohne Ende gezeichnet und treiben den virtuellen Wert der neuen Unternehmen in schwindelerregende Höhen. Das läßt noch sehr viel mehr "New Economy"- Firmen aus dem Boden schiessen und schürt die Euphorie von Wirtschaft und Anbietern digitaler Dienstleistungen aus der Welt der Neuen Medien. Im Jahr 2000 hat sich die allgemeine Multimedia-, Webdesign- und IT-Begeisterung so hochgeschaukelt, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften immer größer wurde. Viele Medien im Dienste der Wirtschaft trugen durch die Verkündigung sensationellen Konjunktur- Wachstums zur Popularisierung aller beruflichen und unternehmerischen Aktivitäten rund ums Geschäft mit den Neuen Medien bei. Die "New Economy" lockte mit monetären Anreizen, um den New-Media-Boom bedienen zu können. Von Traumgehältern, Aufstiegschanchen, eigenen Firmenwagen edelster Marken, Aktienbeteiligung an der Arbeitgeberfirma bis hin zur Option auf das Sich-Selbständigmachen mit eigener Firma, die nach kurzer Zeit an die Börse geht und sich zu einem Millionen-Imperium ausbaut, reichten die vollmundigen Versprechungen der "New Economy". Goldgräberstimmung machte sich breit und so wurde angeworben und rekrutiert, was zwei Beine hatte und an eine selbstbestimmte Erfolgskarriere glaubte. In Wild-West-Manier wurden sogar Kopfgeldjäger -die sogenannten Headhunter- engagiert, um IT- Spezialisten und Manager mit einem Jahresgehalt ab 100.000 DM abzuwerben. Davon angestachelt, schiessen seitdem Angebote zur Aus- und Weiterbildung, sowie Maßnahmen zur Qualifikation im Umgang mit elektronischen Medien wie Pilze aus dem Boden. Das multimediale Qualifizierungs-Diplom galt und gilt bisweilen heute noch als Basis für einen sicheren beruflichen Ein- und Aufstieg. Wie Sie bisher an dieser Entwicklungsgeschichte vom Beginn des elektronischen Publizierens bis zum "New Economy"-Boom gelesen haben, ist der Beruf des Webdesigner nur einer unter vielen, die der neue Markt braucht. |
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