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Multimedia-Ratgeber: Webdesign | ||||
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Spezial: Webdesign, Teil 2 j
Nach der Qualifizierung zum Webdesigner fragen Sie nach den Chancen und Aussichten auf dem NewMedia-Markt. Diese sehen wie folgt aus: Wenn Sie eine feste Anstellung suchen: Sollten Sie ausschließlich von Webdesign leben wollen, dann ist dies nur in einer Festanstellung möglich. Dazu müßten Sie aber sehr profunde Kenntnisse in allen webrelevanten Bereichen mit- bringen und bereit sein, komplexe und neueste Programmiersprachen zu erlernen. Um das aktuelle Anforderungsprofil darzustellen, zitiere ich ein Stellenangebot eines Arbeitgebers, das in der Zeitung "Markt+Chance" des Arbeitsamtes veröffentlicht wurde:
Sie werden sich nun fragen, was das mit Webdesign zu tun habe. Ihre Frage ist berechtigt ! Denn das, was hier und an vielen anderen NewMedia- Arbeitsplätzen an gleichem oder ähnlichem Profil ver- langt wird, entspricht leider nicht den allgemeinen Ausbildungsinhalten der Webdesign-Lehrpläne. An diesem Beispiel erkennen Sie, dass meine oben genannten Ausführungen über die Voraussetzungen für diesen Beruf zutreffen. Mit Webdesign allein können Sie nicht bestehen. Vorausgegangene Studien (z.B. Fach- bzw. Medieninformatik oder Design-Studium) werden einfach als Selbstverständlichkeit erwartet. Idealerweise sollten, wie bereits erwähnt, mehrere Berufe erlernt und mit diversen anderen Qualifikationen ergänzt werden, so dass die ca. 9 - 10 Jahre Ausbildungs- zeit tatsächlich Voraussetzung sein müßten für diese ausgeschriebene Stelle. Für den Arbeitgeber im Anzeigenbeispiel müßten Sie folgende Grundausbildungen absolviert haben: mindestens 8 Jahre Ausbildung und mindestens 4 Jahre praktische Erfahrung. mindestens ca. 30.000 DM Kosten. Vorausgesetzt, Sie haben das Abitur mit 18 Jahren erfolgreich absolviert und beginnen gleich darauf die Berufsausbildung (die Wehr- bzw. Zivildienstzeit bei Männern mal nicht berücksichtigt), dann wären Sie nach den 12 Jahren Ausbildung und Praxis mit frühestens 30 Jahren berufsfähig als Webdesigner im Sinne des obigen Beispiels. Wer sich also im Jahre 2001 für diese Stelle bewerben würde, hätte 1989 seine Ausbildung zu einer Zeit be- ginnen müssen, in der das Thema Internet noch nicht aktuell war. In dieser Zeit haben Sie, wenn Sie nicht gerade von Haus aus vermögend sind oder Kind reicher Eltern, fast nichts verdient und neben 30.000 DM Schulden noch viele weitere, da die Lebenshaltungskosten und private Berufsausstattung (PC, Software, Tele- kommunikationsgeräte etc.) noch hinzukommen. Sollte das Zielgruppenpublikum des Arbeitgebers auch noch sehr jung sein (14 - 25 Jahre), wie es häufig vorkommt, da das Internet größtenteils von dieser Altersgruppe lebt, dann werden Sie unter Umständen bereits als zu alt eingestuft, weil Sie mit dieser Zielgruppe nicht mehr lifestyle-kompatibel sind und das grenzenlose "Jugend-Fun-Feeling" nicht vermitteln können. (Am besten, Sie absolvieren Ihr Abitur mit 8 Jahren, lassen sich dann 12 Jahre lang für diese Webdesigner- stelle qualifizieren, um mit 20 Jahren beste Chancen für die Einstellung zu haben und um nach 5 Jahren die Rente einzureichen und dem Computerclub der Senioren beizutreten ...) Der massenhafte Abbau von Arbeitsplätzen durch sogenannte Rationalisierungsmaßnahmen, die der "Lean Production", der Verflachung der Hierarchien, einer größeren Flexibilität und einer scheinbaren Selbstbestimmungs- und Selbstverantwortungsmentalität den Weg bahnt, bedingt die Zusammenlegung mehrerer Berufe in eine Person. Das heißt, dass Sie in Ihrer ergebnisbezogenen Leistungsvergütung bereit sein müssen, die Arbeit von ehemals 3-4 Kollegen alleine auszuführen. Nötigenfalls haben Sie dadurch Wochenarbeitszeiten von 70 - 80 Stunden zum Pauschaltarif abzuleisten. Als pflichtbewußter " Gewinner-Typ" ("be a user, not a looser") verzichten Sie auf Regenerationsphasen und erst recht auf Freizeit. Privatleben findet nicht mehr statt und soziale Isolation wird zur Regel. In den kurzen Verschnaufpausen ernähren Sie sich von online bestelltem Junk-Food und haben jede Menge Spaß mit PC-Games, Fun-Pages und Chatten im Cyber-Nirwana. Wenn Sie dann noch den Rat des Arbeitsamtes befolgen, indem Sie Bereitschaft zum grenzenlosen und selbst- finanzierten Nomadenleben (auch Mobilität genannt) zeigen, kann Ihrem Erfolg fast nichts mehr im Wege stehen. Stellenangebote mit unrealistischen Extremforderungen, wie im Beispiel oben gezeigt, sind zwar nicht die Regel, dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Trend in genau diese Richtung geht - mal mehr, mal weniger. Das beweist auch die Tatsache, dass in immer mehr Stellenangeboten Kenntnisse und Fähigkeiten gefordert werden, für die es kaum oder gar keine offiziellen Qualifikationslehrgänge gibt und die mit den ursprüng- lichen Inhalten des Webdesigns fast nichts mehr zu tun haben, aber dennoch unter "Webdesign" geführt werden. Der Grund hierfür ist offensichtlich: Es sollen so viel Fachkräfte wie möglich durch eine einzige Person ersetzt werden, die aber nicht zu entsprechend hohen Vergütungssätzen bezahlt wird, sondern nur zum sehr erschwinglichen Tarif eines Webdesigners. Die Folge ist eine große Begriffsverwirrung, die die berufliche Orientierung der Nachwuchskräfte ins Schwimmen geraten läßt und zur Überforderung bei der Auswahl geeigneter Qualifikationen führt. Ferner entsteht durch die überproportionale Gewichtung des Online-Handels der Eindruck, als wären entsprechende Qualifikationen eine Garantie für eine sichere berufliche Zukunft. Das dies nicht zwangsläufig so sein muß, beweist die Tatsache, dass in Deutschland der Anteil des Online- Handels am Gesamthandel gerade mal 1 Prozent beträgt. Die großen Pleitewellen, Kurs- und Konjunktureinbrüche und die sich daraus ableitenden Massenentlassungen der "New Economy" tragen zudem ihren Anteil zur Relativierung der euphorischen Bewertung der NewMedia-Zukunft bei. Für die Aussichten in einem Angestellten-Verhältnis läßt dich also zusammenfassen: Wenn Sie Qualifikationen aufweisen können, die der Kommerzialisierung von Websites dienen (Online-Marketing, e-Commerce, maßgeschneiderte e-Shop- Lösungen, Server- und Schnittstellen-Programmierung, webbasierte Datenbankanbindung, interaktive Website- Datenpflege) und aller dazugehörigen Serviceleistungen (Beratung, Präsentation, Verkauf von Media-Diensten, Kundenbetreuung, Schulungen etc.), zur Verkoppelung von Online- und Offline-Warenwirtschafts- Systemen beitragen und zur Abrundung auch noch Webdesign anbieten können, dann haben Sie gute Chancen auf einen Arbeitsplatz, der Sie voll beanspruchen wird. Sollten Sie sich dagegen ausschließlich als Webdesigner oder als Multimedia-Kraft bewerben, wird man Sie häufig nur als Praktikant oder Assistent engagieren, damit Sie das eigentlich gefragte Kerngeschäft besser kennenlernen und sich entsprechend weiterentwickeln können. Das Erstellen und Designen einer Website ist nämlich in Unternehmen, die fürs Online-Geschäft Fachkräfte suchen, bereits erledigt und so werden dort Webdesigner und Multimedia-Kräfte nur noch zum Pflegen, Warten und Up-Tuning des Web-Styles eingesetzt. Für die Aussichten eines freiberuflich arbeitenden Webdesigners läßt sich folgendes sagen: Im Gegensatz zum festangestellten Webdesigner hat der freiberufliche noch Chancen, ausschließlich Webdesign praktizieren zu dürfen, ohne dass weiter- gehende oder andersartige Studiengänge vorausgesetzt werden. Natürlich erhöhen auch hier erweiterte Qualifikations- profile die Wahrscheinlichkeit, sich gegen Schmalspur- bewerber (deren Zahl ständig steigt) durchzusetzen. Doch angesichts einer gewaltigen Anzahl von Existenz- gründern, Vereinen und Organisationen, Freiberuflern, Kleingewerbetreibenden sowie mittelständischen Betrieben, denen eine ausschließlich informative Homepage ausreicht, dürfte es einem frisch ausgebildeten Webdesigner nicht schwerfallen, Interessenten zu finden. Zumindest theoretisch gibt es bei diesen potentiellen Kunden viele Möglichkeiten, Ihre Kenntnisse und Fähig- keiten durch das Erstellen von Websites oder durch Verbesserung bestehender Internet-Auftritte zu beweisen. Lesen Sie hierzu das Kapitel zum Thema: "Wie kommen Sie an Aufträge ?" |
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